Der Einsatz von Tarnmustern in den Streitkräften zielt darauf ab, sich einen Vorteil gegenüber dem Feind zu verschaffen, indem man vor ihm unbemerkt bleibt.
In der modernen Kriegsführung beschränkt sich Tarnung nicht mehr allein auf die visuelle Verschleierung von Soldaten, Fahrzeugen und festen Stellungen. Sie muss auch für Wärmebild-, Infrarot- und Radarsysteme unsichtbar sein. Multispektrale Tarnung versucht, eine integrierte Lösung zu bieten, die Streitkräfte sowohl für das bloße Auge als auch für diese Ortungssysteme unsichtbar macht.
Im November 2025 gab das Schweizer Bundesamt für Rüstung (Armasuisse) Verträge über multispektrale Tarnsysteme mit drei Unternehmen bekannt: SSZ Camouflage Technology AG (Schweiz), Saro GmbH – Ghosthood (Deutschland) und Saab (Schweden).
Armasuisse hat dieses Bild (unten) von drei der getesteten multispektralen Tarnschemata veröffentlicht (zum Vergrößern auf das Bild klicken). In allen drei Fällen handelt es sich um MOWAG Eagle V 6x6-Panzeraufklärungsfahrzeuge (die Schweizer Armee hat 100 Einheiten dieses in der Schweiz hergestellten Modells beschafft, die derzeit ausgeliefert werden). Links ist das Saab Barracuda-System zu sehen, in der Mitte das Ghostwood-System von Saro GmbH und rechts die SSZ-Tarnung.
Die Tarnung von Ghostwood (siehe unten) sieht besonders gut aus. Sie ist auffälliger als die der anderen beiden, verschleiert die Form der MOWAG Eagle V besser und macht sie dadurch schwerer zu entdecken.
Die Verträge umfassen "14 Lose, die jeweils dem geeignetsten Lieferanten auf Grundlage der technischen Anforderungen zugeteilt werden. Die getesteten Tarn- und Täuschungssysteme reduzieren die optische, infrarote und radargestützte Signatur (die Reaktion eines Objekts auf elektromagnetische Wellen)."
Armasuisse begründete dieses Programm wie folgt: „Multispektrale Tarnung ist eine effektive Methode, um einen optimalen Tarneffekt zu erzielen und Schutz vor modernster Aufklärungstechnik zu bieten. Heutzutage sind Aufklärungsaktivitäten nicht mehr auf die Fähigkeiten des menschlichen Auges beschränkt – bodengestützte und luftgestützte Sensoren wie Drohnen können visuelle und Infrarotsignale im kurz-, mittel- und langwelligen Bereich des elektromagnetischen Spektrums erfassen. Das multispektrale Tarnsystem (MSTS) trägt außerdem dazu bei, Soldaten und Infrastruktur vor feindlicher Aufklärung zu schützen.“
Letzte Woche veröffentlichte Armasuisse dieses Video über die Tests mit diesen multispektralen Tarnsystemen und merkte Folgendes an: „Im Sommer 2025 testete armasuisse die MSTS während zwei Wochen auf den Waffenplätzen Thun und Bure. Ziel war es, ihre Wirkung unter realistischen Bedingungen zu prüfen und ihren Nutzen im Einsatz zu beurteilen. Zuvor hatte armasuisse Wissenschaft und Technologie die Systeme im Labor geprüft. Darauf aufbauend wählte das Projektteam geeignete Anbieter für die Erprobung aus. Gemeinsam mit Kommando Operationen, Luftwaffe, Heer, Armeestab und Logistikbasis testeten die Fachpersonen die Systeme technisch, im Einsatz und in der Logistik.“
Ein interessantes Detail aus dem von Armasuisse veröffentlichten Video ist, dass diese Tarnmuster auch an Pferden getestet wurden. Die letzten Kavallerieeinheiten der Schweizer Armee wurden 1972 aufgelöst. Dennoch nutzt das Schweizer Militär Pferde weiterhin für logistische und andere Aufgaben, vor allem im Hochgebirge, wo Radfahrzeuge aufgrund fehlender Straßen unpraktisch sind.
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Bilder: Armasuisse / Vet u A Tiere Abt 13.
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